Es ist das deutsche Nationalepos: Das Nibelungenlied.
Um das Jahr 1200 vermutlich im Umkreis eines Passauer Klosters in mittelhochdeutscher Sprache verfasst, erzählt es in 2400 vierzeiligen Strophen die Abenteuer Siegfrieds und den Untergang der Burgunden, die in Worms residierten.
Der erste Teil des Nibelungenlieds beginnt mit der Geschichte von Siegfried, einem Helden, der durch das Baden in Drachenblut unverwundbar wird, außer an einer Stelle, die von einem Lindenblatt bedeckt war. Siegfried kommt an den Hof des burgundischen Königs Gunther und verliebt sich in dessen Schwester Kriemhild. Um Kriemhild zu heiraten, hilft Siegfried Gunther dabei, die kriegerische Königin Brünhild zu bezwingen. Auf der Hochzeit kommt es zu einem Streit zwischen den beiden Frauen, bei dem Brünhild die Demütigung durch Siegfried aufdeckt. Hagen, ein treuer Gefolgsmann Gunthers, tötet Siegfried daraufhin bei einer Jagd, indem er die verwundbare Stelle mit einer Lanze trifft.
Der zweite Teil des Nibelungenlieds dreht sich um Kriemhilds Rache. Nach dem Tod ihres Mannes heiratet sie den Hunnenkönig Etzel (Attila) und lockt die burgundischen Könige und Hagen zu sich an den Hof. Es kommt zu einem blutigen Kampf, bei dem alle Burgunden, bis auf König Gunther und Hagen, getötet werden. Kriemhild lässt Gunther und Hagen hinrichten, wird aber schließlich selbst von Hildebrand, einem Gefolgsmann Dietrichs von Bern, getötet. Das Nibelungenlied ist ein Werk über Heldentum, Liebe, Verrat und den Untergang einer ganzen Kultur. Es ist ein zentrales Werk der deutschen Literatur und wurde im Laufe der Zeit immer wieder neu interpretiert und verfilmt. Und durch die Jahrhunderte immer wieder auch als eine eindringliche Warnung vor bedingungsloser Macht und Herrschaft, vor Rachsucht, blinder Gefolgschaft und überschießender Wut verstanden.
2002 wagte es Worms als zentraler Handlungsort der Sage aufwendige Nibelungenfestspiele als Freilichtaufführungen vor dem Dom zu begründen. Wobei jedes Mal ein neues Stück bei meist jüngeren, experimentierfreudigen Autoren in Auftrag gegeben wird. Nach 24 Jahren sind aus den Anfängen die schönsten und aufregendsten Freilichtspiele Deutschlands geworden, deren Stücke von den besten Theaterautoren verfasst, von wagnisfreudigen Regisseuren und Regisseurinnen inszeniert und von Stars aus Film und Fernsehen gespielt werden.
In Folge 66, dem zweiten Teil über das Nibelungenlied, redet Volker Gallé mit Theo Schneider über Funktion und Rolle des Nibelungenlieds in deutscher Kultur und Politik von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Und über die Entstehung der neuen Wormer Nibelungenfestspiele.
In diesem Jahr finden sie vom 17. Juli bis 2. August auf der Freilichtbühne an der Nordseite des Wormser Doms statt. Gestaltet von der freien Theatergruppe „Les enfants terribles“ aus England. Das Stück von Oliver Lansley heisst „Die Hunnenkönigin“.
In Folge 65, dem ersten Teil über das Nibelungenlied, reden Volker Gallé und Theo Schneider über Entstehung und historische Hintergründe des Nibelungenlieds.
In Folge 66 (am 28. Juni 26) diskutieren sie seine Rolle in der Ideologie deutscher Politik und die Frage, ob es eher als spannende Erzählung über Sex, Action und Siegfrieden zu verstehen ist oder als Warnung vor blinder Gewalt und Mahnung zu Mäßigung und Verhandlungsfrieden. (Link zu Folge 65)

In Zusammenarbeit mit der Londoner Theatercompagnie „Les Enfants Terribles“
Die Nibelungen-Festspiele Worms 2026 – vom 17. Juli bis 2. August
DIE HUNNENKÖNIGIN – Uraufführung von Oliver Lansley
Team der Nibelungenfestspiele 2026 (PDF-Datei)
Pressetext – Nibelungenfestspiele Worms
„DIE HUNNENKÖNIGIN“ heißt das neue Stück von Oliver Lansley für die Nibelungen-Festspiele, das vom 17. Juli bis 2. August auf der eindrucksvollen Bühne vor dem Wormser Dom uraufgeführt wird. Im Zentrum der Geschichte stehen Kriemhild, gespielt von Maria Drăguș, und der Hunnenkönig Etzel, verkörpert von Aram Tafreshian. Ihre intensive und vielschichtige Macht- und Liebesgeschichte wird von der Songwriterin Alice Merton und dem Komponisten Alexander Wolfe live auf der Bühne musikalisch und gesanglich begleitet, gespiegelt und vertieft. Auch Jeanette Hain als Kriemhilds Mutter Ute und Heiko Raulin als Hagen gehören zum diesjährigen Ensemble. Ergänzt wird die Besetzung durch Vinzenz Wagner (Siegfried), Miguel Torres Umba (Hawart), Anna Martine Freeman (Irnfried) sowie ein gemischtes Tanzensemble aus deutschen und englischen Tänzern: Nathan Bartman (Dance Captain), Doris Lingenau, Risha Silvera und Mareike Villnow.
Das Publikum darf sich in diesem Sommer auf eine internationale und vor allem spektakuläre Neuerzählung der Nibelungensage freuen. Das Stück und die Inszenierung entstehen in enger Kooperation mit der Londoner Theatercompagnie „Les Enfants Terribles“ und deren Regisseuren James Seager und Oliver Lansley. Ihre Arbeiten sind eine Mischung aus großem Schauspielertheater, Musik, publikumswirksamen Zirkuselementen, Magie und Puppenspiel. Mit ihren Inszenierungen begeistern sie auf Tourneen von England über das Edinburgh Fringe Festival bis hin nach Shanghai ein internationales Publikum.
Intendant Nico Hofmann: „Durch die Kooperation mit der Londoner Theatercomapagnie LES ENFANTS TERRIBLES wird unser Blick auf den Nibelungenstoff noch einmal internationaler. Wir freuen uns sehr auf die britische Perspektive von Oliver Lansley und James Seager auf den urdeutschen Mythos. Dabei kann sich das Wormser Publikum nicht nur auf eine inhaltlich neue Ausdeutung des Stoffes freuen, auch theatralisch ist einiges zu erwarten: Der Genremix aus Schauspiel, Musik, Tanz und Puppentheater verspricht ein großes Theaterspektakel.“
Der Künstlerische Leiter Thomas Laue ergänzt: „Im Zentrum des Stückes von Oliver Lansley steht in diesem Jahr Kriemhild, deren Geschichte erstaunlicherweise bisher kaum richtig auserzählt wurde, obwohl sie zu einer der bekanntesten Figuren der Nibelungensage gehört. Das insgesamt sehr starke deutsch-englische Ensemble wird dementsprechend mit Maria Drăguș und Jeanette Hain nicht zuletzt von zwei starken Schauspielerinnen geprägt und von der Sängerin Alice Merton ideal ergänzt. Alles spricht für einen aufregenden Nibelungensommer 2026 mit einer Ausstrahlung weit über Worms hinaus.“
James Seager und Oliver Lansley: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit diesem multidisziplinären Ensemble aus Schauspielern, Musikern und Tänzern. Unsere Stücke vereinen viele verschiedene Elemente – Text, Live-Musik, Puppenspiel und Bewegung – und wir verwischen gerne die Grenzen zwischen all diesen Mitteln im Dienst der Geschichte.“
Vita Volker Gallé
Der Autor, Liedermacher und Kulturwissenschaftler Volker Gallé ist 70 Jahre alt und seit über 50 Jahren mit Kleinkunstprogrammen und Vorträgen unterwegs, die sich meist mit Geschichte und Kultur seiner linksrheinischen Heimat beschäftigen. Er lebt in Mauchenheim und war als Kulturkoordinator der Stadt Worms für die Entwicklung der Kulturprofile Nibelungen, Dom, Luther und SchUM-Städte zuständig. Lange Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte Osthofen.
Derzeit engagiert er sich für die Profilierung der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz als Motor für eine aktive Bürger/innenbeteiligung, die Begegnung von Verschiedenen an dritten Orten ermöglicht, und für mehr kommunale Selbstverwaltung eintritt.
Kontakt: galle.volker@t-online.de

Biographie
Texte und Lieder von Volker Gallé
Neben mir mein herz. Lyrik 2025
Worms – Stadt der Geschichten 2021
Flügelschlag des Raben. Lyrik 2010
rhein-hessen-blues. Lyrik 2008
C’est la Vieh. Mundartlyrik 2001
In den 1990er Jahren sind auch CD’s und Kasetten erschienen
Herausgeber von Tagungsbänden der Stadt Worms, u.a.:
Germanische Mythologie und Rechtsextremismus (2015); Joseph Süß Oppenheimer (2010); Über den Gebrauch der Vernunft. Theologie, Philosophie und Kultur um 1000 (2020); Die Burgunder (2009); Zwischenwelten. Das Rheinland um 1800 (2012)
Aufsätze zur Regionalgeschichte, zuletzt: Adolf Bley -Pazifismus und Autonomie in der Pfalz, in: Besatzungszeit und Autonomiebewegungen im Gebiet von Rheinland-Pfalz 1918–1930, Ubstadt-Weiher 2025, Seite 246-253





Nibelungen-Festspiele Worms


Foto: (c) Bernward-Bertram

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