Gestorben ist er am 17. August 1676 in Renchen bei Straßburg. Ungewiss ist dagegen sein genaues Geburtsdatum: um 1622 in Gelnhausen bei Frankfurt. Die verarmte Adelsfamilie stammte aus dem thüringischen Grimmelshausen, daher also der Name.
Er wuchs in Gelnhausen bei seinem Großvater auf und besuchte dort die Lateinschule. Darüber hinaus scheint er keine formelle Ausbildung genossen zu haben. Was sehr erstaunlich ist: Denn es bedeutet, dass er sein umfangreiches vielfältiges Wissen im Laufe seines Lebens durch eigene Inititative und Lektüre erworben haben muss, obwohl er keine eigene Bibliothek besaß. Die Bücher fand er in den Häusern seiner Herren, bei denen er angestellt war:
Er war Guts-und Schlossverwalter, Burgvogt, Gastwirt und zuletzt Schultheiß in Renchen.
Vor allem aber war er Militärangehöriger von früher Jugend an, mit Unterbrechungen auch, aber immer wieder, und in wechselnden Diensten: Troßjunge, Soldat, Schreiber, Sekretär.

(Bild von 1641, Authentizität nicht geklärt)
Unter verschiedenen Herren und in verschiedenen Heeren des 30jährigen Krieges; gemeinsam war ihnen nur die Parteinahme für die katholische Seite.
Und hier, in den schrecklichen, unsagbar grausamen, wirren, willkürlichen Kriegen, Kämpfen, Belagerungen, Plünderungen, Folterungen, Mißhandlungen und Morden des 30 Jahre andauernden, immer wieder neu aufflammenden Irrsinns in der Mitte Europas..hier fand Grimmelshausen Stoff und Material für sein berühmtestes Buch und seine Fortsetzungen:
Den Simplizissimus
Oder um korrekt zu zitieren:
„Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“
Erschienen ist das Buch 1668/69. Es ist das Hauptwerk von Grimmelshausen, weitere Bücher folgten, ähnlich in Thematik und Stil diesem ersten Werk.
„Zwischen Grimmelshausen und seiner Hauptfigur gibt es nachweisbar einige Parallelen, aber keine völlige Übereinstimmung. Selbst eindringliche Kampfszenen lassen sich oft als Lesefrüchte des Autors auf ihre literarischen Quellen zurückführen. Gelehrte Exkurse und derbkomische Szenen, Belehrung und Unterhaltung wechseln einander ab, im jeweils dazu passenden Sprachgestus. Häufig werden bittere Wahrheiten in kurzweilig satirischer Form präsentiert.“
Doch seine Sprache aus dem 17. Jahrhundert ist für heutige Leser nur schwer konsumierbar und stand lange einer breiten Rezension entgegen. Doch dann gab es eine wunderbare Lösung: Nämlich eine Übersetzung: Vom barocken ins gegenwärtige Deutsch von Reinhard Kaiser. 2009 als Extradruck im Verlag „Die Andere Bibliothek“ erschienen.
Von der Kritik hochgelobt und als beste Übersetzung des Jahres 2009 ausgezeichnet.
Also kaufen und lesen!

Aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser
Autor: Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Übersetzer: Reinhard Kaiser
Originalausgabe Extradruck
lieferbar 32,00 €
Verlag Die Andere Bibliothek
ISBN 978-3-8477-2019-5
Format Extradruck
Anzahl Seiten 768
