Kostprobe: Die Liebe in Gedanken
Anna Seghers: „Ich will Wirklichkeit.“ Liebesbriefe an Rodi 1921 – 1925

„Eine literarische Sensation“ nennt DIE ZEIT den Fund der rund 470 Briefe, Postkarten und Telegramme, die Netty Reiling zwischen März 1921 und August 1925 an ihren späteren Mann Lásló Radványi geschickt hat. Sie hatte „Rodi“ während ihres Studiums in Heidelberg kennengelernt. Die beiden hatten sich nicht nur verliebt, sondern zeigten auch viele Übereinstimmungen in ihren Haltungen zu Politik und Gesellschaft.

Die Briefe umfassen den kompletten Zeitraum vom Beginn ihrer Bekanntschaft bis zur Heirat. Zufällig entdeckt hat sie der Enkel der beiden, Jean Radvanyi, in Orsay bei Paris in einem Karton bei der Sichtung des privaten Nachlasses seines Vaters. Sie zeigen das Ringen der jungen Mainzerin auf ihrem Weg zur angehenden Autorin der Weltliteratur, um eigene Standpunkte in Religion, Philosophie, Politik und Weltanschauung. Aber sie zeigen auch eine noch unsichere, sensible, verletzliche, gefühlvolle, verliebte und besorgte junge Frau.

„So privat, ja intim, konnte man die junge Anna Seghers, die sich später meist den Fragen nach Persönlichem entzogen und immer auf ihr Werk verwiesen hatte, bisher nicht erleben“

…schreibt der Mainzer Historiker und Autor Hans Berkessel, dessen leicht überarbeitete Einführung in die Briefedition Theo Schneider zunächst vorstellt. Danach liest Kerstin Bachtler Kostproben aus den Briefen.

Ich will Wirklichkeit
Liebesbriefe an Rodi 1921–1925
Autorin: Anna Seghers
Herausgeber:innen: Jean Radvanyi, Christiane Zehl Romero
28,00 €
Hardcover, Seiten 464, Verlag Aufbau
ISBN 978-3-351-04250-9
Format Hardcover mit Schutzumschlag und Abbildungen

Auswahlbibliographie

ANNA SEGHERS, Werkausgabe, hg. v. Helen Fehervary, Bernd Spies u. Carsten Jacobi. Berlin: Aufbau-Verlag 2000 ff. [Zurzeit ist der Band „Der Kopflohn“ in Vorbereitung.]
ANNA SEGHERS, Ich erwarte Eure Briefe wie den Besuch der besten Freunde. Briefe 1924 – 1952, hg. v. Christiane Zehl Romero u. Almut Giesecke. Berlin 2008.
ANNA SEGHERS, Tage wie Staubsand. Briefe 1953 – 1983, hg. v. Christiane Zehl Romero u. Almut Giesecke. Berlin 2010.
ANNA SEGHERS HANDBUCH, Leben – Werk – Wirkung, hg. v. Carola Hilmes u. Ilse Nagelschmidt. Berlin 2020.
ARGONAUTENSCHIFF, Jahrbuch der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz, Band 1: Berlin 1992 ff. (zuletzt: 27/2019).
SIGRID BOCK, Der Weg führt nach St. Barbara: Die Verwandlung der Netty Reiling in Anna Seghers. Berlin 2008.
SONJA HILZINGER, Anna Seghers. Stuttgart 2000.
MONIKA MELCHERT, Wilde und zarte Träume. Anna Seghers Jahre im Pariser Exil 1933 – 1940. Berlin 2018.
MONIKA MELCHERT, Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil. Berlin 2020.
PIERRE RADVANYI, Jenseits des Stroms. Erinnerungen an meine Mutter Anna Seghers. Berlin 2005.
ACHIM ROSCHER, „Mit einer Flügeltür ins Freie fliegen.“ Gespräche mit Anna Seghers. Berlin 2019.
ALEXANDER STEPHAN: Anna Seghers. Das siebte Kreuz. Welt und Wirkung eines Romans. Berlin1996.
WILHELM VON STERNBURG, Anna Seghers. Ein biografischer Essay. [Reihe: Köpfe der Region, hg. v. Hans Berkessel, Bd. 1] Ingelheim 2010.
VOLKER WEIDERMANN, Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko. Berlin 2020.
CHRISTIANE ZEHL ROMERO, Anna Seghers. Eine Biographie 1900 – 1947. Berlin 2000.
CHRISTIANE ZEHL ROMERO, Anna Seghers. Eine Biographie 1947 – 1983. Berlin 2003.

Anna Seghers 1965 in Mainz; (c) Stadtarchiv Mainz
Das siebte Kreuz, Titelholzschnitt der Ausgabe Mexiko 1942; (c) Stadtarchiv Mainz
 „Anna Seghers, Transit, deutsche Erstausgabe, Curt Weller Verlag, Konstanz 1948“