Extra: Neues von Neruda
21 neu entdeckte Gedichte aus seinem
Nachlass. Zum 120. Geburtstag von Pablo
Neruda am 12. Juli 2024.

Vor 120 Jahren wurde Pablo Neruda in Parral, Chile, geboren. Er war Dichter, Diplomat, Autor, erhielt 1971 den Nobelpreis. Er ist einer der bedeutendsten Lyriker der Weltliteratur, Vorbild von Generationen junger Dichter von Chile bis China.

Wegen seiner kommunistischen Ansichten wurde Pablo Neruda im Westen lange ignoriert, was sich erst mit dem faschistischen Militärputsch von 1973 gegen die demokratische Regierung seines Freundes Salvador Allende änderte. Nur Wochen nach diesem Putsch starb Pablo Neruda. Seit Jahren gibt es zunehmend Indizien dafür, dass er ermordet wurde, vermutlich von einem Agenten der USA.

Sein Nachlass wird von der „Fundacion Pablo Neruda“ betreut. Dazu gehört auch ein großes Konvolut von Manuskripten und Typoskripten, das von seiner Frau durchgesehen und geordnet wurde. Sie hatte allerdings einige Texte übersehen, die erst bei der späteren Katalogisierung der Sammlung entdeckt wurden. Nach der Veröffentlichung dieser 21 neu entdeckten Texte 2014 auf Spanisch, sind sie auch im Luchterhand Verlag auf Deutsch erschienen, ergänzt mit Anmerkungen zu Fundsituation, Datierung, Entstehung und Stellung im Gesamtwerk.

Und belegen, dass Pablo Neruda gelegentlich seine Gedichte auch auf Speisekarten oder Konzertprogramme schrieb.

Theo Schneider stellt Ihnen zum 120. Geburtstag von Pablo Neruda diese Gedichte vor.

Pablo Neruda - Ich suchte dich
Pablo Neruda
Dich suchte ich
Nachgelassene Gedichte
Hardcover
€ 18,00 [D] inkl. MwSt.
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
Originaltitel: Tus pies toco en la sombra y otros poemas inéditos
Originalverlag: Seix Barral
Hardcover mit Schutzumschlag, 144 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 29 farbige Abbildungen

Pablo Neruda

Pablo Neruda, mit bürgerlichem Namen Neftalí Ricardo Reyes Basoalto, wurde am 12. Juli 1904 in der südchilenischen Kleinstadt Parral geboren.

Sein Vater war Eisenbahnarbeiter. Die Mutter verlor er bald nach seiner Geburt. Neruda wuchs in Temuco auf, wo er in den Wäldern herumstreifte, sich mit den indianischen Ureinwohnern anfreundete und heimlich Gedichte zu schreiben begann. 1919 veröffentlichte er seine ersten Gedichte in Zeitschriften, wobei er mit „Pablo Neruda“ unterzeichnete. 1921 wechselte Neruda in die Hauptstadt Santiago, um dort das Lehrerkolleg zu besuchen. Im Alter von 20 Jahren publizierte er 1924 die Gedichtsammlung „Veinte poemas de amor y una canción desesperada“, mit der er sich als Autor von Liebesgedichten erstmals einen Namen machte.

Neruda begann nun, als Übersetzer und Journalist für Zeitungen zu arbeiten. Zugleich veröffentlichte er Kurzgeschichten und Gedichte. 1927 wurde Neruda als Honorarkonsul Chiles nach Rangoon in Birma (Myanmar) berufen. 1930 ernannte man ihn zum Konsul von Niederländisch Ostindien. Er heiratete die Holländerin Maria Antonieta Haagenar. 1933/34 übernahm er diplomatische Funktionen zunächst in Buenos Aires, dann in Barcelona und Madrid. Die neuen Eindrücke auf so unterschiedlichen Kontinenten verarbeitete er in seiner dreibändigen Gedichtsammlung „Residencia en la tierra“ (1933-1947). In Madrid trennte sich Neruda von seiner ersten Frau, um später Delia del Carril zu heiraten.

Als sein Kollege und Freund Federico García Lorca im Zuge der Auseinandersetzungen des beginnenden spanischen Bürgerkriegs von den Faschisten ermordet worden war, begann sich der chilenische Schriftsteller zunehmend zu politisieren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat unterstützte Neruda von dort 1937/38 den Kampf der spanischen Republikaner. Er begann die Arbeit an seinem Hauptwerk „Canto general“ (1950). 1945 wurde er in den Senat Chiles gewählt. Er trat der Kommunistischen Partei bei und gewann den Nationalen Literaturpreis. Im Zuge der antikommunistischen Repression in Chile musste Neruda 1948/49 untertauchen und dann nach Mexiko fliehen.

Obwohl er inzwischen auf der ganzen Welt gefeiert wurde, konnte er nach Chile erst 1952 zurückkehren. 1955 trennte sich Neruda von Carril, um mit Matilde Urrutia zusammenzuleben. Er unternahm weiterhin ausgedehnte Reisen, die ihn in die Sowjetunion, nach China und Südamerika führten. In den späten 1960er Jahren schrieb Neruda auch für das Theater, für das er spanische Übersetzungen von William Shakespeare verfasste. Außerdem arbeitete er an seiner Autobiografie „Confieso que he vivido: Memorias“, die erst 1974 posthum erschien.

Zu Beginn der 1970er Jahre verzichtete Neruda bei den chilenischen Präsidentschaftswahlen auf eine eigene Kandidatur, um seinen Freund Salvador Allende zu unterstützen. Anschließend wurde er von dessen Regierung als Botschafter nach Frankreich entsandt. 1971 wurde das Lebenswerk des Diplomaten und Dichters durch die Verleihung des Nobelpreises für Literatur gekrönt. Krankheitsbedingt kehrte er 1972 nach Chile zurück, wo er noch die Ermordung Allendes und den Machtantritt des Diktators Augusto Pinochet erleben musste.

Pablo Neruda starb am 23. September 1973 in einem Krankenhaus in Santiago (Chile).